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Warum jeder Gründer eine Holding braucht

Eine Holding-UG senkt die effektive Steuer auf Anteilsverkäufe von 26 % auf 1,5 %. Aber der Zeitpunkt entscheidet, ob sich das Ganze lohnt.

Immo Ait Stapelfeld·Rechtsanwalt··Geprüft 13. April 2026·5 Min. Lesezeit
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Gründe die Holding, bevor deine operative Gesellschaft an Wert gewinnt. Danach wird es teuer, kompliziert oder beides. Die Holding-Struktur ist die wichtigste steuerliche Weichenstellung bei der Gründung, und sie kostet weniger als 500 EUR.

Die Steuerrechnung

Verkaufst du GmbH-Anteile als Privatperson, zahlst du rund 26 % auf den Gewinn (25 % Kapitalertragsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf). Verkaufst du dieselben Anteile über eine Holding, sind ca. 95 % des Veräußerungsgewinns nach Paragraph 8b KStG steuerfrei. Die effektive Steuerbelastung in der Holding liegt bei etwa 1,5 %.

Bei einem Exit von 1 Mio. EUR sind das rund 245.000 EUR Unterschied.

Die Befreiung gilt sowohl für Veräußerungsgewinne als auch für Dividenden von Tochtergesellschaften. Die verbleibenden 5 % gelten als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben. Daraus ergibt sich der effektive Steuersatz von ca. 1,5 % (5 % des Gewinns, besteuert mit dem regulären Körperschaftsteuersatz von rund 30 %).

So funktioniert die Struktur

Der Aufbau ist simpel:

  1. Du gründest eine Holdinggesellschaft, typischerweise eine UG oder GmbH.
  2. Deine Holding hält die Anteile an der operativen Gesellschaft.
  3. Deine Mitgründer machen dasselbe mit eigenen Holdings.

Die operative Gesellschaft führt das Geschäft. Die Holding tut nichts außer Anteile halten. Wenn die operative Gesellschaft Dividenden ausschüttet oder verkauft wird, fließen die Erlöse in die Holding. Dort werden sie mit ca. 1,5 % besteuert. Das Geld bleibt in der Holding und kann in neue Projekte, Immobilien oder Finanzanlagen reinvestiert werden.

Volle Einkommensteuer zahlst du erst, wenn du Geld von der Holding an dich persönlich ausschüttest. Der zentrale Vorteil ist Stundung und Reinvestition bei nahezu null Steuerbelastung.

UG oder GmbH als Holding?

Eine UG (haftungsbeschränkt) eignet sich perfekt als Holdingvehikel. Gründungskosten unter 500 EUR, Stammkapital ab 1 EUR, identische Rechtsform wie eine GmbH. Da eine reine Holding keine Mitarbeiter, keine Kunden und kein operatives Risiko hat, spielt das geringere Stammkapital keine Rolle.

Ich gründe die meisten Gründer-Holdings als UG. Das gesparte Kapital gegenüber einer GmbH (25.000 EUR Stammkapital) kann stattdessen in die operative Gesellschaft fließen.

Holding-UGHolding-GmbH
Gründungskosten300-500 EUR800-1.500 EUR
Stammkapitalab 1 EUR25.000 EUR
Steuerliche BehandlungIdentischIdentisch
HaftungsbeschränkungIdentischIdentisch
Wahrnehmung bei InvestorenIrrelevant (Holding ist für Investoren unsichtbar)Irrelevant

Eine GmbH als Holding lohnt sich nur, wenn du eine geschäftsführende Holding planst, die Dienstleistungen an Tochtergesellschaften erbringt und eigene Umsätze generiert. Für ein reines Beteiligungsvehikel ist die UG die bessere Wahl.

Der Zeitpunkt entscheidet

Die Holding-Struktur muss stehen, bevor die operative Gesellschaft signifikant an Wert gewinnt. Das ist keine weiche Empfehlung. Das ist eine harte steuerliche Grenze.

Wenn du deine operative GmbH zuerst gründest, die Anteile persönlich hältst und sie später in eine Holding übertragen willst, löst du einen steuerpflichtigen Vorgang aus. Das Finanzamt behandelt die Übertragung als Veräußerung zum Verkehrswert. Hat dein Unternehmen bereits eine Finanzierungsrunde abgeschlossen oder nennenswerte Umsätze aufgebaut, zahlst du Steuern auf den nicht realisierten Gewinn.

Es gibt Umstrukturierungsmöglichkeiten nach dem Umwandlungssteuergesetz (UmwStG), die in bestimmten Fällen eine steuerneutrale Übertragung ermöglichen. Die Voraussetzungen sind jedoch komplex, und die Beratungskosten erheblich. Der einfachste Weg: Holding bei der Gründung mitgründen, wenn die Anteile noch zum Nennwert bewertet sind.

Gründer, die nach ihrer Series A zu mir kommen und nach einer Holding fragen, hören immer dasselbe: Vorher hätte es 500 EUR gekostet. Jetzt kostet die Beratung 15.000 EUR, und es kann trotzdem Steuern auslösen.

Laufende Kosten der Holding

Eine Holding-UG ist günstig im Unterhalt. Die jährlichen Kosten umfassen:

  • Steuererklärung: 500-1.000 EUR pro Jahr (die Holding gibt eine eigene Körperschaftsteuererklärung ab)
  • Jahresabschluss: 300-800 EUR (für alle GmbHs und UGs Pflicht, erstellt vom Steuerberater)
  • IHK-Mitgliedschaft: 0 EUR unterhalb der Umsatzgrenze, sonst minimal
  • Bankkonto: 5-15 EUR pro Monat

Insgesamt: rund 1.000-2.000 EUR pro Jahr. Gemessen an einer potenziellen Steuerersparnis von mehreren hunderttausend Euro bei einem erfolgreichen Exit ist das vernachlässigbar.

Jeder Gründer braucht eine eigene Holding

Gründe keine gemeinsame Holding für alle Mitgründer. Der Sinn der Struktur ist, dass jede Person ihr eigenes Vehikel kontrolliert. Wenn ein Mitgründer ausscheidet, sich scheiden lässt oder anders reinvestieren will, halten individuelle Holdings die Verhältnisse sauber.

Im Gesellschafterverzeichnis der operativen GmbH stehen dann drei oder vier Holdinggesellschaften statt drei oder vier natürliche Personen. Das ist Standard. Investoren sind es gewohnt. Notare sind es gewohnt. Es fügt der Finanzierungsrunde keine nennenswerte Komplexität hinzu.

Transparenzregister nicht vergessen

Seit 2017 muss jede GmbH und UG ihre wirtschaftlich Berechtigten im Transparenzregister eintragen. Deine Holding-UG muss dich als wirtschaftlich Berechtigten aufführen. Die Anmeldung dauert fünf Minuten online, aber bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 150.000 EUR. Erledige das sofort nach der Gründung.

Was die Holding nicht kann

Eine Holding optimiert die Besteuerung von Beteiligungserträgen, Veräußerungsgewinnen und Dividenden auf Gesellschaftsebene. Dein persönliches Gehalt als Geschäftsführer der operativen Gesellschaft bleibt davon unberührt. Geschäftsführervergütung wird als Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit besteuert, egal ob du die Anteile direkt oder über eine Holding hältst.

Die Holding bietet auch keinen zusätzlichen Haftungsschutz über die operative GmbH hinaus. Sie ist ein Steuerplanungsinstrument, kein Haftungsschild.

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EUR
Steuer ohne Holding (Privatverkauf)EUR 260.000
Steuer mit Holding (§ 8b KStG)EUR 15.000
Deine ErsparnisEUR 245.000

Fazit

Eine Holding ist die strukturelle Entscheidung mit dem höchsten Return für Gründer in Deutschland. Gründungskosten unter 500 EUR, laufende Kosten rund 1.500 EUR pro Jahr, potenzielle Steuerersparnis von 24 Prozentpunkten auf einen Anteilsverkauf. Die einzige harte Bedingung: Du musst sie gründen, bevor deine operative Gesellschaft mehr wert ist als ihr Nennkapital. Bei der Gründung ist ideal. Nach einer Finanzierungsrunde ist meistens zu spät.

Ich richte Holding-Strukturen bei fast jeder GmbH-Gründung ein, die ich begleite. Wenn du gründest, mach beides gleichzeitig. Wenn du schon eine operative Gesellschaft hast, hängt die Rechnung vom aktuellen Wert und deinen Plänen ab. In beiden Fällen dauert das Gespräch 30 Minuten.

Rechtsquellen

  • §95% Steuerbefreiung auf Beteiligungserträge und Veräußerungsgewinne
  • §UG als Holdingvehikel, EUR 1 Minimum

Siehe auch

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